Freibad

Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie der aktuellen Vorschriften der Corona-Verordnung wird das Freibad in dieser Saison nicht geöffent

Liebe Niedernhallerinnen, liebe Niedernhaller, liebe Badegäste,

in der letzten Sitzung am vergangenen Montag hat sich der Gemeinderat mit einer Thematik von großer Tragweite und Bedeutung, nämlich der Öffnung des Niedernhaller Freibades in der Badesaison 2020, befasst. Dabei haben die einzelnen Ratsmitglieder die Gründe, die für bzw. gegen eine Badöffnung sprechen, in einer überaus sachlichen Diskussion sorgsam miteinander abgewogen. Zum Abschluss des angeregten Austausches von Argumenten hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, dass das Niedernhaller Freibad infolge der pandemiebedingten Anforderungen in der Badesaison 2020 nicht geöffnet wird.

Mir und dem gesamten Gremium ist es ein wichtiges Anliegen, Sie, liebe Badegäste, über die relevanten Umstände und Beweggründe, die zu dieser Entscheidung geführt haben, umfassend zu informieren. Vorwergnehmen möchte ich an dieser Stelle, dass weniger finanzielle Aspekte zu diesem Ergebnis geführt haben. Vielmehr haben die vielfältigen und weitreichenden Anforderungen des Hygienekonzeptes den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben.

Wie Sie der Tagespresse entnehmen konnten, dürfen Frei- und Hallenbäder seit Samstag, den 06. Juni 2020, unter Wahrung des Infektionsschutzes wieder ihren Betrieb aufnehmen. Maßgeblich für die einrichtungsspezifischen Hygieneanforderungen ist dabei die Corona-Verordnung Sportstätten vom 04.06.2020.

Im Einzelnen sind danach folgende Vorgaben zwingend in das Hygienekonzept aufzunehmen:

1.) Anzahl der zulässigen Badegäste

a.) Liegewiesen

Nach der Corona-Verordnung dürfen maximal 800 Personen gleichzeitig die Liegewiesen nutzen. Diese Anzahl errechnet sich aus der Gesamtfläche der Liegewiesen (ca.  8.000 m²) mit 10 Quadratmetern pro Person. Dies ist somit die maximale Anzahl an Badegästen, die das Freibad in der Badesaison 2020 gleichzeitig nutzen dürfen. Informativ verweise ich an dieser Stelle darauf, dass an heißen Sommertagen im Niedernhaller Freibad 2.000 – 3.000 Badegäste nicht unüblich sind.

b.) Schwimmerbecken

In Schwimmerbecken errechnet sich die maximale Anzahl an Personen, die sich gleichzeitig im Becken aufhalten, aus der Wasserfläche (650 m²) mit 10 Quadratmetern pro Person. Die entspricht umgerechnet einer Anzahl von maximal 65 Personen. Abweichend hiervon kann die Wasserfläche in einzelne Bahnen, möglichst mit Leinen oder anderen geeigneten Markierungen, unterteilt werden. Innerhalb der Bahnen ist ein Einbahnsystem einzuführen; dabei kann jede Bahn auf einer Bahnlänge von 50 Metern von maximal zehn Personen gleichzeitig genutzt werden. Es ist darauf zu achten, dass kein Aufschwimmen oder Überholen stattfindet.

c.) Nichtschwimmerbecken

Im Nichtschwimmerbecken errechnet sich die maximale Anzahl an Personen, die sich gleichzeitig im Becken aufhalten, aus der Wasserfläche mit 4 Quadratmetern pro Person. Bei einer Wasserfläche von 560 m² dürfen folglich maximal 140 Personen gleichzeitig das Nichtschwimmerbecken nutzen. Diese Anzahl wäre im Verlauf der Sitzung vermutlich noch bis um die Hälfte reduziert worden, damit die Badefläche mit Blick auf die Abstandsregeln übersichtlich bleibt.

d.) Kinderbecken

Nach den Vorgaben der Corona-Verordnung muss die Anzahl der Badegäste bei einer Fläche von 150 m² auf max. 37 Personen (4 m²/Person) gleichzeitig beschränkt werden. Diese Anzahl wäre im Verlauf der Sitzung vermutlich noch bis um die Hälfte reduziert worden, damit die Badefläche mit Blick auf die Abstandsregeln übersichtlich bleibt

e.) Wasserrutsche/Sprungturmanlage 

Die Wasserrutsche sowie die Sprungturmanlage können nur im Wechsel geöffnet werden. Hier gelten keine Personenzahlbeschränkungen, allerdings müssen die Abstandsregeln eingehalten werden. Dies hat zur Folge, dass die Rutsche und die Sprungtürme immer nur von einer Person betreten werden dürfen. Weitere Personen müssen demzufolge vor den Attraktionen warten.

f.) Generelles Abstandsgebot im gesamten Freibad

Auf dem gesamten Freibadgelände ist ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen sämtlichen anwesenden Personen einzuhalten. Ausgenommen hiervon sind lediglich Familienangehörige und deren Partner. Somit ist ein sonst üblicher direkter und ungezwungener Kontakt mit Nachbarn, Freunden und Schulkameraden im Freibad nicht gestattet.

Leider ist es so, was für viele Bürger unverständlich ist, dass im Bad bzw. einer Sportstätte lediglich Familienangehörige ohne Abstandsregeln zusammen sein dürfen, während im öffentlichen Raum mittlerweile bis zu 10 Personen (die nicht verwandt oder verschwägert sind) ohne Abstandsregeln zusammen sein dürfen.

2.) Einführung von 2 Badeschichten

a.) Seitherige Öffnungszeiten

Das Freibad Niedernhall hat bislang mit Ausnahme der Schlecht-Wetter-Regelung zu folgenden Zeiten geöffnet:

Montag                               13:00 – 19:00 Uhr
Dienstag-Sonntag            09:00 – 19:30 Uhr

b.) Hygieneplan spricht für mindestens 2 Badeschichten

Um im Hinblick auf die reduzierte Gesamtanzahl an Badegästen möglichst vielen Personen das Baden zu ermöglichen, sieht ein mögliches Hygienekonzept 2 Badeschichten vor. Vorgeschlagen wurde von Montag – Sonntag der Zeitraum von 10:00 Uhr – 14:30 Uhr          und 15:00 Uhr – 19:30 Uhr. Je Badeschicht könnten die Badegäste somit maximal 4,5 Stunden im Freibad verweilen.

3.) Erwerb von Eintrittskarten nur über Online-Ticketing möglich

Nach der geltenden Corona-Verordnung ist eine übliche Öffnung der Freibadkasse nicht gestattet. Dies hat zur Folge, dass Eintrittskarten für das Freibad nur über ein Online-Ticketing-System erworben werden können. Allerdings ist in diesem Falle ein Erwerb von Familienkarten, Jahreskarten, Zehnerkarten und verbilligten Abendtarife zum heutigen Tag nicht möglich. Dies hat zur Folge, dass alle Badegäste online lediglich Tagestickets in den Kategorien Erwachsene (4 €), Ermäßigte (3 €) und Jugendliche (2 €) erwerben können. Die ansonsten verbilligten Eintrittsformen (Familien-, Saison- und Zehnerkarten) können somit in der Badesaison 2020 nicht angeboten werden.  Das Online-Ticketingsystem dient weiter zwingend dazu, die geforderten Personalien der Badegäste aufzunehmen und im Bedarfsfall nachzuweisen. In dieser Angelegenheit hat die Verwaltung im Vorfeld bereits Kontakt mit einem regionalen Unternehmen aufgenommen. Dieses Software-Paket für Freibadtickets könnte allerdings frühestens am 29.06.2020 in Betrieb gehen. Unter der Annahme von Freibadeinnahmen aus den Vorjahren (Juli und August 2019) ist daher mit einem Entgelt in Höhe von ca. 13.000 € für diese Dienstleistung zu rechnen.  Dafür entfällt allerdings auch die Kassentätigkeit an der Freibadkasse sowie der Buchungsaufwand in der Verbandskämmerei. Allerdings wird eine Person für die Zugangskontrolle benötigt, welche die Tickets/QR-Code vor dem Betreten des Bades einscannt.

Auch wenn das Freibad 2020 nicht öffnet, war sich der Gemeinderat darüber einig, das Online-Ticketsystem auch für die künftige Freibadjahre einzuführen, vorausgesetzt Jahreskarten und Mehrfachkarten, sowie Abendtarife können in diesem System abgebildet werden.


4.) Ausarbeitung eines Hygienekonzeptes

  • 2 Abs. 2 CoronaVO Sportstätten sieht vor, dass Betreiberinnen und Betreiber von Bädern in einem einrichtungsspezifischen Hygienekonzept festzulegen haben, wie die Maßgaben im konkreten Fall eingehalten und umgesetzt werden können. Vor Öffnung des Freibads ist ein Hygienekonzept auszuarbeiten, welches folgende Inhalte umfasst:
  • Angaben über die Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Abstandsregeln samt Ausschilderung
  • Vorhaltung von Hand-Desinfektionsstationen
  • Festlegungen zum Betreten und Verlassen des Bades, u.a. Maskenpflicht beim Ticketscan und getrennte Wegführung
  • Reinigungsvorgaben und Einlassbeschränkung für Toiletten
  • Schließung der Duschräume
  • Regelung zur Nutzung und Reinigung der Einzelkabinen
  • Regelung zur Nutzung der Attraktionen (Sprungturm und Rutschen, Volleyballfeld, Tischtennisplatte)
  • Vorgaben und Regelungen für den Gastronomie-/Kioskbereich
  • Angaben zu den Laufwegen; Regelung von Ein- und Ausgängen sowie Ausschilderung
  • Hinweis auf Badezeiten/Badephasen
  • Vorgaben zum Schwimmen im Einbahnsystem innerhalb des Schwimmerbeckens
  • Erläuterung zur Einlassbeschränkung (Liegefläche und Badefläche)
  • Angaben zur Erste-Hilfe-Leistung im Notfall
  • Regelung zur Gesundheitsprüfung; Angabe zum Betretungsverbot für Personen, die zu Infizierten Kontakt hatten bzw. Badegäste, die Symptome aufweisen
  • Angabe zur Führung von Listen zwecks Kontaktnachverfolgung
  • Angaben zur personellen Besetzung; Aufsichtspersonen pro Becken/Attraktion

Während der Badesaison ist von dem Badepersonal durchweg auf eine strikte Einhaltung und Umsetzung der vorstehenden Vorgaben hinzuwirken, was für alle Bediensteten der Stadt eine hohe Verantwortlichkeit mit sich bringt. Im Falle von Schwachpunkten beim ausgearbeiteten Hygienekonzept stehen zudem haftungsrechtliche Fragen im Raum.

5.) Erhöhter Personaleinsatz in der Badesaison 2020

Die CoronaVO Sportstätten sieht in § 2 Absatz 5 vor, dass für jedes Becken sowie für jede Attraktion eine Person zu bestimmen ist, die für die Einhaltung der verordneten Vorgaben verantwortlich ist. Daneben müssen während den beiden Badephasen stets ein Kartenkontrolleur und eine Reinigungskraft vor Ort sein, die die benutzten Umkleidekabinen sowie WCs mehrmals täglich reinigt. Bei einem heißen Freibadtag müssen daher 6 Personen im Freibad eingeteilt sein:

  • 1 Reinigungskraft
  • 1 Bademeister am Schwimmerbecken
  • 1 Aufsichtsperson/Bademeister am Nichtschwimmerbecken
  • 1 Aufsichtsperson an der Rutsche/Turm (im Wechsel)
  • 1 Aufsichtsperson/Bademeister am Kinderbecken
  • 1 Person für Ticketing & Springer

Bei schlechtem Wetter kann die Anzahl der Personen anforderungsgerecht reduziert werden. Unterm Strich ist jedoch mit einem erhöhten Personaleinsatz zu planen.

6.) Finanzielle Auswirkungen

Die finanziellen Folgen der pandemiebedingten Auflagen und Herausforderungen sind nur schwer abschätzbar. Deshalb haben sie bei der Entscheidungsfindung auch eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Im Vergleich zu den vorausgegangenen Badejahren werden die Mehrkosten in der Badesaison 2020 auf rd. 100.000 € geschätzt.

Abschließend möchte ich nochmals ausdrücklich betonen, dass es sich der Gemeinderat bei dieser Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Alle, die wir gemeinsam Verantwortung für unser Kocherstädtchen tragen, würden uns von Herzen über eine ausgelassene und sorgenfreie Badesaison freuen. Dies ist in diesem Jahr leider aufgrund der pandemiebedingten Auswirkungen nicht möglich. Letztendlich waren es die umfangreichen Hygieneanforderungen und die damit verbundenen Einschränkungen und Auflagen, die den Ausschlag für diese Entscheidung bewirkten. Insbesondere die strikten Abstandsgebote, die Zulassungsbeschränkung bei der Einlasszahl, der begrenzte Personenzulass zu den einzelnen Becken, die eingeschränkte Nutzung der Attraktionen, die Notwendigkeit von verbindlichen Badeschichten, der zwingende Erwerb von Eintrittskarten über das Online-Ticketing, der ausschließliche Verkauf von Einzel-Eintrittskarten und die zwingenden Abstandsgebote im Kioskbereich würden nach mehrheitlicher Auffassung des Gremiums und auch nach meiner persönlichen Einschätzung den Badeaufenthalt negativ beeinflussen. Ein ausgelassenes und unbeschwertes Badevergnügen wäre somit nicht mehr garantiert. Als ich zunächst die Pressemitteilung des Landes Baden-Württemberg vernommen habe, dass das Freibad öffnen soll, war ich persönlich euphorisch das Freibad Niedernhall auch zu öffnen. Aber nachdem die Vorgaben nach und nach transparent gemacht wurden, mag ich behaupten, Baden und Plantschen hätte vielen Badegästen in dieser Saison 2020 nicht sonderlich gefallen.

Ich hoffe, liebe Badegäste, ich konnte Ihnen die Beweggründe, die zu der Schließung des Freibades in der Badesaison 2020 beigetragen haben, in verständlicher und nachvollziehbarer Weise darlegen. Auch wenn Sie sich insgeheim eine Öffnung unseres Freibades erhofft haben, bitte ich abschließend um Ihr Verständnis und Toleranz für diese nicht gerade einfache Entscheidung.

Zum Abschluss ist mir wichtig, dass wir – wenn die Lage sich bis nächstes Jahr etwas verbessert – die Freibad-Öffnung 2021 einplanen werden.

Ihr

Achim Beck
Bürgermeister