Quelle RPS

Hochwasserschutz

SWR Beitrag über das Kunstprojekt Hochwasserschutz:

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/hohenloher-graffiti-kuenstler-gerd-melzer-bringt-kunst-auf-hochwassermauer-in-niedernhall-100.html

Hochwasserschutz in Niedernhall/Kocher (Hohenlohekreis): Feierliche Einweihung der Hochwasserschutzmaßnahme

Schutz vor hundertjährlichem Hochwasser

Hochwasserschutzmaßnahme Niedernhall für 6,3 Millionen Euro fertiggestellt – Land finanziert 4,4 Millionen Euro

Zur Verbesserung des Hochwasserschutzes erneuerte der Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Stadt Niedernhall die Hochwasserschutzeinrichtungen am Kocherufer zwischen der Gemarkungsgrenze Criesbach und der Kläranlage Niedernhall, um das gesamte Stadtgebiet künftig vor einem hundertjährlichen Hochwasser einschließlich der zu erwartenden größeren Hochwasserstände durch Klimaveränderungen zu schützen.

Nach rund 2,5 Jahren Bauzeit ist nun die rund 6,3 Millionen Euro teure Hochwasserschutzmaßnahme, die vom Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Stuttgart gemeinsam mit der Stadt Niedernhall realisiert wurde, rechts und links des Kochers in Niedernhall fertiggestellt. Der Ausbau des Hochwasserschutzes in Niedernhall ist der Abschluss einer durchgängigen Baumaßnahme zwischen den Städten Ingelfingen-Criesbach und Niedernhall auf einer Länge von etwa zwei Kilometern.

Die Einweihung der Hochwasserschutzmaßnahme in Niedernhall fand durch Staatssekretär Dr. Andre Baumann, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Regierungspräsident Wolfgang Reimer sowie Bürgermeister Achim Beck statt.

„Das ist eine gute Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger, die hier leben“, sagte Staatssekretär Dr. Andre Baumann. Die Gesamtkosten der Hochwasserschutzmaßnahmen am Kocher in Niedernhall und Criesbach belaufen sich auf etwa 8,3 Millionen Euro – davon alleine 6,3 Millionen für Niedernhall. „Eine gewaltige Investition, die es kommunal mit 30 Prozent zu schultern gilt – das Land finanziert gerne 70 Prozent der Kosten. Das ist gut investiertes Geld, um die Menschen angesichts des Klimawandels vor Hochwasser zu schützen“, fügte Baumann hinzu.

„Der Hochwasserschutz ist ein bedeutendes Thema, wie uns die dramatischen Ereignisse in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erst kürzlich einmal mehr vor Augen geführt haben. Daher ist es von großer Bedeutung, dass der Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Stadt Niedernhall die Hochwasserschutzeinrichtungen am Kocherufer zwischen der Gemarkungsgrenze Criesbach und der Kläranlage Niedernhall erneuert und verbessert haben. Es handelt sich um eine Maßnahme die sich lohnt, da hierdurch und mit der Wirkung des Hochwasserrückhaltebeckens Forellenbach ein Schadenspotential von 46,5 Millionen Euro verhindert wird“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer.

„Aus vergangenen Ereignissen lernen wir. Beim Unwetter 2016 war die Solidarität groß. Dennoch ist unser Ziel, einen adäquaten Hochwasserschutz zu haben – und nicht von Hochwasser betroffen zu sein. Daher nehmen wir – mit großzügiger Unterstützung des Landes – ordentlich Geld in die Hand. Maßnahmen wie das Hochwasserrückhaltebecken hier in Niedernhall sollen die Bürgerinnen und Bürger vor hundertjährlichem Hochwasser schützen“, betonte Bürgermeister Achim Beck.

Das Hochwasserschutzkonzept für den rund zwei Kilometer langen Bereich am linken Kocherufer umfasst vier Bereiche. Die dort durchgeführten Maßnahmen sind umfangreich: bestehende Dämme wurden erhöht und verbreitert, L-Steine wurden eingebaut, außerdem wurde eine neue Stahlbetonwand gebaut sowie der Neubau der Straßenentwässerung und Erweiterung eines Pumpwerks durchgeführt. Auch am einmündenden Forellenbach wurden zur Vermeidung von Rückstau Maßnahmen durchgeführt. Hier wurden neue Einrichtungen aus Beton und Glas gebaut, um Rückstau des Wassers zu vermeiden. Außerdem wurde eine Dichtungsschicht auf der wasserseitigen Böschung realisiert.

Bereits im April 2019 wurden die Hochwasserschutzmaßnahmen rechts des Kochers auf Gemarkung Criesbach abgeschlossen. Die Planungen in Niedernhall wurden im Jahr 2016 vergeben, der erste Bauabschnitt der Baumaßnahme startete im April 2019 und wurde im Januar 2020 fertiggestellt (rechte Kocherseite). Der zweite Bauabschnitt (linke Kocherseite) begann im Oktober 2020 und wurde nun abgeschlossen, sogar früher als ursprünglich geplant.

„Die Fertigstellung der Maßnahmen in Niedernhall auf der linken Kocherseite waren erst für Frühjahr/Sommer 2022 geplant, sodass ich mich freue, dass die Maßnahme deutlich schneller realisiert werden konnte. Ich danke allen an der Umsetzung Beteiligten“, so Reimer weiter.

Hochwasserschutz ökologisch gestalten

Neben dem Schutz der Menschen und deren Hab und Gut müssen bei Hochwasserschutzmaßnahmen auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden – beispielsweise die Aufwertung der Uferstreifen sowie die Schaffung von Lebensräumen für Tier- und Pflanzenwelt. Einen Beitrag hierzu leisten Ausgleichsmaßnahmen wie die Schaffung von Ersatzlebensräume für Eidechsen, Sanierung von Trockenmauern. Bei dieser Maßnahme wurde auch ein Auwald am Kocher angelegt. Der Kocher in Niedernhall wurde bereits in den Jahren 2012 und 2013 auf einer Länge von 1,5 Kilometern gewässerökologisch umgestaltet und aufgewertet. Dieser Aspekt wurde auch vom Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer betont. „Gerade hier in Niedernhall wird deutlich, dass wir nicht nur den Hochwasserschutz oder nur die Ökologie im Fokus haben – vielmehr geht es um eine ganzheitliche Betrachtung der Gewässer“, so der Regierungspräsident. „Es geht dem Land darum, Ökologie und Hochwasserschutz zu verbinden und den Flüssen wieder mehr Platz einzuräumen und die Durchgängigkeit zu verbessern. Das ist ein wichtiger Beitrag, um den Zustand der Gewässer naturnaher zu gestalten und so bessere Lebensbedingungen für Fische und andere Organismen herzustellen. Hiervon profitiert auch der Mensch“, ergänzte Staatssekretär Baumann.

Hintergrundinformationen

Im Jahr 1959 wurde der Kocher im Bereich der Gemarkung Niedernhall ausgebaut und in sein heutiges Gewässerbett verlegt. Parallel zum Ausbau beziehungsweise zur Verlegung des Kochers wurden uferbegleitende Deiche geschüttet und die Seitenzu-flüsse bereichsweise verdolt. Als Reaktion auf die beiden verheerenden Hochwasser vom 21./22. Dezember 1993 und 13./14. April 1994 hat die Stadt Niedernhall als Sofort-Schutzmaßnahme entlang der Kochertalstraße auf einer Länge von rund 1,6 Kilometern zwischen der Kocherbrücke und dem Ortseingang Criesbach – über die Gemarkungsgrenze hinweg – eine Leitplankenkonstruktion erstellt. Im Jahr 1998 wurde ein Teilstück des Kocherstegs bis zur Markungsgrenze Criesbach durch einen Erd-damm ersetzt. Die Anlagen waren technisch nicht mehr auf dem Stand, sodass die Umsetzung entsprechender Hochwasserschutzmaßnahmen erforderlich wurde.

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